
Die Vorfreude auf neue Bewohner ist einer der schönsten Momente in der Aquaristik. Doch aus meiner Erfahrung als langjähriger Aquarianer und meiner Zeit im Zoofachhandel weiß ich, dass das richtige Vorgehen beim Einsetzen neuer Fische für viele Anfänger oft nicht ganz klar ist. Damit es keine Ausfälle gibt und die Tiere so wenig Stress wie möglich haben, zeige ich dir hier Schritt für Schritt, wie ich bei der Eingewöhnung vorgehe.
Damit neue Fische überhaupt erfolgreich eingesetzt werden können, sollte dein Aquarium bereits stabil laufen. Falls du dir beim Einrichten noch unsicher bist, findest du hier eine ausführliche Anleitung zum Aquarium einrichten.
Vor dem Kauf von neuen Tieren: Die Detektivarbeit im Fachgeschäft
Das Wichtigste, bevor man neue Fische ins Aquarium setzt, ist der Kauf gesunder Tiere. Egal ob von privat, aus dem Zoofachhandel, vom Züchter oder auf Messen: Schau dir die Tiere immer genau an. Für viele Einsteiger ist das nicht ganze leicht, kranke oder angeschlagene Fische von gesunden Tieren zu unterscheiden.
Gerade für Einsteiger lohnt es sich, auf robuste Arten zu setzen. Eine Auswahl geeigneter Arten findest du in meinem Beitrag über Anfängerfische fürs Aquarium.
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Gesunde Fische ganz einfach erkennen
Ums dir einfach zu machen achte auf diese Checkliste:
- Fische sollten sich natürlich verhalten, d.h. nicht an der Wasseroberfläche stehend nach Luft schnappen, keine Flossen klemmen, aktiv & neugierig sein und einen Fluchtreflex zeigen.
- Sie sollten nicht blass sein (eine Schreckfärbung kann vorkommen, sollte aber nach ein paar Minuten wieder besser werden oder verschwinden).
- Achte darauf, dass die Augen klar und nicht trüb sind. Die Augen sollten zudem nicht hervorstehen (Glotzaugen).
- Die Flossen sollten vollständig und nicht ausgefranst sein (Kleine Einschnitte können durch Zänkereien vorkommen und heilen meist schnell, solange keine Entzündung zu sehen ist).
- Die Haut und Schuppen sollte keine weißen Punkte, komische watteartige Beläge oder Wunden haben.
Verhalten im Becken beobachten
Beobachte außerdem am besten das Verhalten der anderen Tiere im Becken
- Schwarmfische sollten sich größtenteils zusammen aufhalten (Tiere können kleinere Reviergrenzen haben, allerdings sollten einzelne Tiere nicht komplett von der Gruppe abgesondert in einer Ecke stehen, das ist meist kein gutes Zeichen)
- Bodenfische (z. B. Panzerwelse) sind oft aktiv am gründeln (gut zu beobachten wenn es Futter gibt)
- Barsche imponieren sich häufig gegenseitig und verteidigen kleine Reviere
- Tiere sollten sich nicht apathisch oder taumelnd verhalten
Beobachte also immer auch Verhalten der Artgenossen oder der Gruppe und nicht nur einzelne Tiere.

Beibesatz und andere Aquarien anschauen
Ein extrem wichtiger Punkt, den viele übersehen: In vielen Zoohandlungen hängen mehrere Becken meist an einem gemeinsamen Wasserkreislauf hängen. Das sind oft immer die Becken direkt daneben.
Das bedeutet:
- Krankheitserreger können sich über alle Becken verteilen
- auch wenn dein Fisch gesund aussieht bzw. das Becken, in dem der Fisch schwimmt, gut aussieht
Beobachte also auch immer die Becken nebenan. Wenn du in anderen Becken kranke oder tote Fische siehst, lieber Finger weg. Aquarien mit trübem Wasser oder grün-blauem Wasser sind ein schlechtes Zeichen und werden meist mit Medikamenten behandelt. Hier solltest du auf gar keinen Fall Fische kaufen und lieber noch 2-4 Wochen warten.
Wichtig: Wenn du dir unsicher bist, würde ich empfehlen die Tiere lieber nicht mitzunehmen und nochmal zu warten. Auch wenn das am Anfang schwierig ist (ich kenne das 😁). Evtl. hast du ja einen weiteren Händler in der Nähe, bei dem du im Anschluss vorbeischauen kannst und dir gesunde Tiere aussuchen kannst.
Wie viele Fische sollte man auf einmal einsetzen?
Bei einem Neubesatz ist es immer empfehlenswert nicht alle Tiere auf einmal einzusetzen, sondern sich Zeit zu lassen und Fische nach und nach einzusetzen. Ein guter Zeitraum ist ein Abstand von zwei Wochen. Setzt man zu viele Tiere auf einmal ein, kann das zur Störung des biologischen Gleichgewichts im Aquarium führen. Die Bakterien müssen mit dieser neuen Belastung erstmal klar kommen. Ist die Belastung zu groß, z. B. durch einen zu starken Besatz, kann das zu einem Anstieg von Nitrit führen, was für Fische extrem gefährlich ist. Setze also am besten immer ein bis zwei Arten auf einmal ein, je nach Größe des Beckens. Bei größeren Aquarien ist es aufgrund der größeren Wassermenge weniger schlimm, mehrere Tiere auf einmal einzusetzen.
Setzt man zu viele Tiere auf einmal ein, kann das zu einem gefährlichen Nitritanstieg führen. Wie dieser entsteht und warum er so kritisch ist, erkläre ich dir im Beitrag zum Stickstoffkreislauf im Aquarium.
Fische richtig eingewöhnen: Zwei bewährte Methoden
Wenn es ums Einsetzen von neuen Tieren geht, reicht es nicht, nur die Wassertemperatur anzugleichen. Wichtig sind neben der Temperatur auch der pH-Wert, die Wasserhärte und bei bestimmten Tieren auch der Leitwert des Wassers. Je nach Ausgangswasser können sich diese Werte stark vom Händlerbecken unterscheiden, deshalb ist eine sanfte und langsame Eingewöhnung extrem wichtig, damit alle Fische den Einzug ins neue Zuhause unbeschadet überstehen.

In der Praxis gibt es zwei gängige Methoden, um Fische an neues Wasser zu gewöhnen. Beide funktionieren zuverlässig. Ich persönlich nutze im Alltag meist die erste Methode, die ich hier erwähne und das ist auch die Gängigste, bei der ich nach und nach Aquarienwasser mit einem Becher oder kleinen Behälter hinzufüge.
Methode 1: Langsame Eingewöhnung durch schrittweises Hinzufügen von Wasser
Die altbekannte übliche Eingewöhnungsmethode – bei der einfach nach und nach immer etwas Wasser vom Aquarium hinzugegeben wird.

Schritt-für-Schritt Anleitung zur Eingewöhnung
1. Vorbereitung
- Schalte das Licht im Aquarium aus, das reduziert Stress für die Tiere. Am besten lässt du das Licht auch für den Rest des Tages oder mindestens noch ein paar weitere Stunden nach dem Einsetzen der Tiere aus.
2. Tiere umfüllen (bei Bedarf)
- Wenn es dir leichter fällt, gib die Tiere in einen kleinen Eimer, oder stelle die Tüte mit den Tieren dort hinein, damit sie sicher stehen.
3. Wasser angleichen
- Innerhalb eines Zeitraums von 30-60 Minuten, nach und nach immer eine kleine Menge Aquarienwasser in den Beutel schütten, bis sich die Wassermenge im Beutel ungefähr verdoppelt hat.
4. Tiere vorsichtig umsetzen
- Tiere vorsichtig mit einem Netz oder Glas / Becher einfangen und ins Aquarium setzen.
Das Wasser aus dem Transportbeutel am besten nicht ins Aquarium leeren. Füttern solltest du am gleichen Tag auch nicht mehr, da die Tiere sowieso schon genug gestresst sind und meist am selben Tag auch gar nichts mehr fressen.
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Methode 2: Tröpfchenmethode (langsame, kontrollierte Eingewöhnung)
Eine weitere sehr bewährte Methode Fische und andere Aquarientiere einzugewöhnen, ist die Tröpfchenmethode. Dazu brauchst du nur einen kleinen Luftschlauch, der sich gut biegen bzw. verknoten lässt z. B. einen flexiblen CO2-Schlauch. Mache einen kleinen Knoten in den Schlauch, hänge die eine Seite ins Aquarium (ggf. mit einer Wäscheklammer befestigen) und zieh am anderen Ende kurz das Wasser an. Dieses Ende hängst du dann in den Beutel oder den Eimer mit den neuen Fischen. Durch festziehen oder lockern des Knotens kannst du steuern, wie langsam das Wasser in den Behälter fließt. Wichtig ist dabei, dass das Wasser im besten Fall nur tröpfchenweise in das Gefäß mit den neuen Tieren tropfen sollte.

Das machst du ebenfalls über einen Zeitraum von 30-60 Minuten. Im Anschluss kannst du die Tiere vorsichtig mit einem Netz aus dem Behälter fangen und ins Aquarium setzen.
Falls du dir unsicher bist, wie die Tröpfchenmethode genau abläuft, zeige ich dir hier in einem Video, wie das genau funktioniert.
Ich nutze diese Methode besonders bei empfindlicheren Arten oder Wildfängen, da sie eine besonders schonende Anpassung an neue Wasserwerte ermöglicht und Stress deutlich reduziert.
Besonderheiten beim Einsetzen von Harnischwelsen und Schnecken
Harnischwelse richtig einsetzen
Viele Harnischwelse z. B. der beliebte Antennenwels (Ancistrus sp.) besitzen „Stacheln“, die sogenannten „Odontoden“, die bei Gefahr ausgefahren werden können. Bei größeren Tieren sind diese so groß, dass sie sich in Netzen oft verhaken und sich dann nicht mehr selbstständig befreien können. Meist hilft hier nur das Zerschneiden des Netzes um den Fisch zu befreien. Sollte es doch mal dazu kommen, dass sich ein Harnischwels in einem Netz verhakt hat, lege das Netz mit dem Wels einfach mal ins Aquarium, schalte das Licht aus und warte ein paar Minuten. Viele Welse schaffen es, sich selbstständig wieder aus dem Netz zu befreien. Da sie die Odontoden wieder einziehen, sobald sie sich beruhigt haben und sicher fühlen.
Mein Tipp: Um diese Gefahr zu vermeiden nutze bei Welsen lieber einen kleinen Becher oder ein Glas, um Verletzungen zu vermeiden.

Schnecken richtig einsetzen
Bei meiner Arbeit im Zoofachhandel kam zudem häufig auch die Frage wie Schnecken im Aquarium eingewöhnt werden sollten. Schnecken sollten genau gleich wie Fische eingewöhnt werden. Zusätzlich dazu sollte jedoch beim Einsetzen darauf geachtet werden, dass Schnecken, vor allem Napfschnecken und Rennschnecken richtig herum direkt auf den Boden oder in der Nähe der Wasseroberfläche auf Pflanzen gesetzt werden. Bei diesen Schnecken ist oft das Problem, dass sie im Zoohandel oft nicht in einem guten gesundheitlichen Zustand erhältlich sind und meist schon sehr geschwächt und nicht gut genährt sind. Diese Schnecken können sich dann teilweise selbstständig nicht mehr umdrehen. Deshalb ist es hier wichtig sie direkt richtig herum einzusetzen oder zumindest zu beobachten, ob sie sich selbstständig umdrehen können und dann ggf. nachhelfen.
Warum das Transportwasser niemals ins Aquarium sollte
Je nach Dauer des Transports könne sich im Transportbehälter unterschiedlich hohe Keimbelastungen durch Stress und Ausscheidungen ansammeln. Diese würden dann direkt ins eigene Aquarium gelangen. Auch Medikamentenrückstände, die oft im Wasser zu finden sind, gelangen so ins Aquarium. Deshalb würde ich dir unbedingt empfehlen, das Transportwasser nicht mit ins Aquarium zu schütten. Je nach Wassermenge kann das unterschiedlich kritisch sein, bei sehr großen Aquarien ist das weniger tragisch, da sich das Transportwasser mit einer viel größeren Menge an Wasser mischt. Bei kleinen Aquarien, würde ich das Wasser aber unbedingt wegschütten, vor allem wenn man nicht weiß, was im Ausgangswasser war oder ob mit Medikamenten behandelt wurde.
Manche Fische wie Panzerwelse können zudem bei starkem Stress sogenannte Schreckstoffe abgeben, die für andere Fische problematisch sein können. Das passiert vor allem bei längerem Transport (deshalb wird bei Panzerwelsen übrigens oft etwas Aktivkohle in den Transportbeutel gegeben, die Giftstoffe im Wasser bindet). Auch deshalb ist es wichtig, das Transportwasser nicht ins Aquarium zu geben und die Tiere möglichst stressfrei umzusetzen.

Warum sterben meine Fische nach dem Einsetzen?
Trotz aller Vorsicht kann es leider passieren, dass neue Fische sterben. Das ist frustrierend, aber kommt dennoch hin und wieder vor. Dies liegt oft an folgenden Ursachen:
1. Zu schnell eingesetzt
Wasserwerte und Temperatur sind zu unterschiedlich und die Tiere wurden nicht lang genug ans Wasser akklimatisiert.

2. Bakterielle Unverträglichkeit
Neue Fische treffen bei einem Umzug immer auf ein neues System mit anderen, fremden Bakterien. Besonders Wildfänge sind hier sehr empfindlich. Auch Zuchtformen, die unter keimarmen Bedingungen gezüchtet werden wie z. B. viele Hochzucht-Guppys. Diese kommen mit „normalen“ Bedingungen und neuen Bakterien nur schlecht klar und sind daher häufig sehr anfällig.
3. Krankheiten (z. B. Ichthyo)
Durch den Transport sinkt die Immunabwehr, viele Fische sind in dieser Zeit anfällig für den Ausbruch der bekannten Weißpünktchenkrankheit (Ichthyo). Zu viel Stress ist oft der Auslöser dafür. Fische können auch schon im Händlerbecken geschwächt oder krank sein, was man nicht immer sieht (bei inneren Verletzungen oder Krankheiten) bzw. auch schon vom Transport zum Händler angeschlagen sein.
Häufige Fehler beim Einsetzen von neuen Fischen (Checkliste)
Die häufigsten Fehler, die sehr oft auftauchen, habe ich dir hier einmal aufgelistet. Versuche, diese unbedingt zu vermeiden.
- Fische einfach ins Aquarium schütten
- nur Temperatur angleichen, aber nicht Wasserwerte
- Transportwasser ins Becken geben
- zu viele Fische auf einmal einsetzen
- direkt nach dem Einsetzen füttern
- Licht anlassen
Das solltest du nach dem Einsetzen der neuen Tiere beachten
Durch den Transport, das Umsetzen und neue Bedingungen sind die Tiere erstmal sehr gestresst. Daher ist das Wichtigste und Erste was du machen solltest, den Tieren erstmal ein paar Tage Ruhe zu gönnen.
Das heißt folgendes:
- Licht am Tag des Einsetzens möglichst auslassen
- am Tag des Einsetzens und ggf. am Tag darauf nicht füttern
- nicht groß ins Becken eingreifen, nichts umdekorieren und keinen Wasserwechsel machen (Wasserwechsel wenn dann am Tag vor dem Einsetzen neuer Tiere)

Fazit: Geduld ist der Schlüssel
Lass dir bei der Eingewöhnung und dem Einsetzen neuer Aquarientiere und Fische auf jeden Fall genug Zeit. Setzte Tiere erst um, wenn alle Parameter angeglichen sind.
Wenn du:
- die Tiere langsam und sorgfältig angleichst
- das Licht ausschaltest
- das Transportwasser entsorgst
- und dir Zeit nimmst
hast du bereits das Wichtigste getan, um deinen Tieren einen möglichst stressfreien und gesunden Start im neuen Aquarium zu ermöglichen.
💬 Austausch & Fragen:
Wenn du Fragen zu diesem Thema hast oder deine Erfahrungen teilen möchtest, schau gern in meiner Facebook-Community vorbei. Dort tauschen sich Aquaristik-Begeisterte aus und helfen sich gegenseitig weiter.
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Häufige Fragen zum Eingewöhnen von neuen Fischen und anderen Tieren im Aquarium
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