Zu viele Schnecken im Aquarium – was tun bei einer Schneckenplage?

Braune Posthornschnecken im Aquarium
Schnecken im Aquarium sind in geringer Menge nicht schädlich und sehr hilfreich.

Schnecken gehören zu den häufigsten Begleitern im Süßwasseraquarium. Oft tauchen sie ganz unbemerkt auf und sind plötzlich da, ohne sie gezielt eingesetzt zu haben. Meist geschieht das durch das Einsetzen von Wasserpflanzen. An den Pflanzen im Handel, sind sehr oft schon Schnecken bzw. Schneckeneier dran. Somit werden sie meist unbeabsichtigt ins Aquarium „eingeschleppt“. Viele schätzen Schnecken als nützliche Helfer und das sind sie auch. Allerdings kommt es häufig früher oder später zu einer Überpopulation an Schnecken im Aquarium und es artet aus in einer unschönen „Schneckenplage“.

In diesem Artikel erfährst du, warum eine Schneckenplage entsteht, welche Schneckenarten sich besonders schnell vermehren und was du dagegen tun kannst, ohne das biologische Gleichgewicht deines Aquariums zu stören.

Wenn du neu in der Aquaristik bist, findest du in meinem Guide Aquarium-Ratgeber für Anfänger eine ausführliche Anleitung für den Einstieg.

Schnecken im Aquarium sind nützlich, aber nicht immer gewünscht

Grundsätzlich sind Schnecken keine Schädlinge. Im Gegenteil: Sie übernehmen wichtige Aufgaben im Aquarium. Schnecken fressen Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile und Algenbeläge und helfen so dabei, das Becken sauber zu halten. Außerdem lockern einige Arten wie Turmdeckelschnecken den Bodengrund auf und tragen zu einem stabilen Ökosystem bei.

Problematisch wird es erst dann, wenn sich Schnecken massenhaft vermehren. Das Aquarium wirkt schnell ungepflegt, Pflanzen werden belagert und die große Menge an Schnecken kann eine Belastung fürs Wasser darstellen.

Diese Schnecken vermehren sich besonders schnell im Süßwasseraquarium

Einige Schneckenarten sind bekannt dafür, sich unter guten Bedingungen extrem schnell zu vermehren. Diese Schnecken gelangen meist unbeabsichtigt ins Aquarium, häufig über neue Pflanzen oder Dekoration aus einem anderen Aquarium und sind sehr oft in Händlerbecken anzutreffen.

Blasenschnecken

Blasenschnecken sind sehr klein und besitzen ein länglich-ovales, leicht durchsichtiges Gehäuse. Ihre Farbe reicht von hellbraun bis transparent, wodurch sie auf Pflanzen und Scheiben oft erst auf den zweiten Blick auffallen.

Posthornschnecken

Posthornschnecken erkennt man an ihrem flachen, scheibenförmig eingerollten Gehäuse, das an ein Posthorn erinnert. Mittlerweile gibt es sie in vielen verschiedenen Farben und werden daher auch oft extra ins Becken eingesetzt.

Posthornschnecke mit blauem Gehäuse auf dem Bodengrund im Aquarium
Blaue Posthornschnecke im Aquarium – leicht zu erkennen an ihrem Haus, das an ein Posthorn erinnert.

Tellerschnecken

Tellerschnecken haben ein sehr flaches, tellerförmiges Gehäuse und bleiben meist relativ klein. Durch ihre unauffällige Form werden sie häufig erst bemerkt, wenn sie in größerer Zahl an Scheiben oder Pflanzen sitzen.

Turmdeckelschnecken

Turmdeckelschnecken besitzen ein längliches, spitz zulaufendes Gehäuse und leben überwiegend im Bodengrund. Tagsüber sind sie kaum sichtbar und kommen meist erst in den Abend- oder Nachtstunden an die Oberfläche.

Warum entsteht eine Schneckenplage im Aquarium?

Zu viel Futter als Hauptursache

Der häufigste Grund für eine Schneckenplage im Aquarium ist Überfütterung. Alles, was Fische nicht fressen, landet früher oder später auf dem Boden. Für Schnecken ist das ein wahres Festmahl, das die Vermehrung stark beschleunigt.

Organische Abfälle und Mulm

Abgestorbene Pflanzenteile, Algenreste und Mulm bieten Schnecken ebenfalls ideale Lebensbedingungen. In schlecht gepflegten oder selten gereinigten Becken finden Schnecken dauerhaft ausreichend Nahrung.

Posthornschnecken im bepflanzten Nano-Aquascape mit roten Hintergrundpflanzen
Eine starke Vermehrung von Posthornschnecken im Aquarium – häufig ein Zeichen für zu viel Nahrung im Becken.

Tote Tiere im Aquarium

Ein verstorbener Fisch oder eine tote Garnele kann, wenn sie unbemerkt bleibt, zu einer plötzlichen Schneckenexplosion führen. Schnecken finden solche Nahrungsquellen sehr schnell. Meist erkennt man das dann, wenn sich eine ganze Ansammlung von Schnecken auf einer Stelle befindet. Kontrolliere dein Becken deshalb regelmäßig auf tote Tiere und entferne sie so schnell wie möglich.

Was hilft gegen eine Schneckenplage?

Fütterung reduzieren und anpassen

Eine angepasste Fütterung ist der wichtigste Schritt. Füttere deine Tiere deshalb lieber weniger bzw. nicht so viel auf einmal sondern lieber kleinere Portionen, dafür aber mehrmals. Innerhalb 2 Minuten sollte Fischfutter komplett aufgefressen sein. Dies gilt natürlich nicht für Futtertabletten oder Sticks, da diese nicht so schnell gefressen werden und sich langsam auflösen. Futtertabletten und Sticks müssen aber meist auch nicht täglich gefüttert werden. 1-3 Mal pro Woche reicht bei Garnelen, Schnecken und Welsen meist aus, da sie ja weiterhin über das normale Fischfutter, Algenbeläge oder Biofilm versorgt werden.

Regelmäßige Pflege und Reinigung

Regelmäßige Teilwasserwechsel mit einem Mulmsauger oder einem einfachen Schlauch helfen, organische Abfälle und Mulm im Aquarium zu entfernen und tragen für eine gute Beckenhygiene bei. Dabei kann man den Bodengrund oberflächlich absaugen. Algen wie häufig auftretende Grünalgen an Scheiben, kann man dabei einfach mit einem Algenradierer entfernen. Den Wasserwechsel am besten erst danach durchführen, dann werden die freischwimmenden Algensporen im Wasser direkt mit entfernt. Oft reguliert sich die Population dadurch bereits von selbst.

Schnecken manuell entfernen

Das Absammeln von Schnecken ist zwar etwas zeitaufwendig, aber sehr effektiv. Besonders abends oder nachts lassen sich viele Schnecken leicht einsammeln. Besonders wenn sich viele Schnecken auf einer Stelle versammeln. Eine große Hilfe dabei können Schneckenfallen sein, die es im Handel zu kaufen gibt. Diese locken Schnecken gezielt an und ermöglichen ein einfaches Absammeln. Möchtest du es erst mit einer kostengünstigeren Variante versuchen, hilft dir der nachfolgende Tipp bestimmt.

Tipp:

Lege ein Stück Zucchini oder Gurke ins Aquarium und lasse sie für 2-3 Stunden im Wasser liegen (nicht zu lang, sonst kann das Wasser zu stark belastet werden). Nach und nach sammeln sich auf der Gurke / Zucchini die Schnecken. Nach ein paar Stunden kannst du die Gurke mit den Schnecken dann einfach aus dem Aquarium nehmen und die Schnecken entsorgen, verkaufen oder an andere Tiere wie Kugelfische oder Schmerlen verfüttern.

Natürliche Fressfeinde – nur als Ergänzung

Fische oder andere Tiere sollten niemals ausschließlich zur Schneckenbekämpfung eingesetzt werden. Sie ersetzen keine Ursachenbekämpfung. Wenn der Besatz, die Beckengröße und die Wasserwerte passen, können Schneckenfresser lediglich unterstützend helfen, die Population zu regulieren. Schneckenfressende Tiere wären z.B. schneckenfressende Schnecken (hört sich erstmal komisch an, aber ja, es gibt Schnecken, die man gegen eine Schneckenplage im Aquarium einsetzen kann 😅) wie die Raubschnecke (Clea helena). Weitere Schneckenfresser sind Schmerlen, Kugelfische oder auch Großarmgarnelen.

Rosy Zwergschmerle als Schneckenfresser zwischen Aquarienpflanzen
Die Rosy Zwergschmerle frisst kleine Schnecken, sollte jedoch nur bei passender Beckengröße und geeignetem Besatz eingesetzt werden.

Schneckenplagen vorbeugen von Anfang an

Neue Pflanzen und Dekoration kontrollieren und vorbereiten

Neue Aquarienpflanzen sind die häufigste Ursache für eingeschleppte Schnecken und Schneckeneier. Eine bewährte Methode ist, neue Pflanzen zunächst für einige Tage in einem separaten Eimer zu lagern und regelmäßig zu kontrollieren.

Untersuche die Pflanzen gründlich auf Schnecken und vor allem auf Schneckeneier, die oft als kleine, durchsichtige geleeartige Gelege an den Blattunterseiten haften.

InVitro Pflanzen – die sicherste Wahl gegen Schnecken

Wer hundertprozentig schneckenfreie Pflanzen ins Aquarium einsetzen möchte, sollte auf sogenannte InVitro-Pflanzen zurückgreifen. Diese Aquarienpflanzen werden im Labor unter sterilen Bedingungen gezüchtet und sind frei von Schnecken, Schneckeneiern, Algen oder anderen Schädlingen.

Schneckenfreie invitro Aquarienpflanzen aus steriler Laborkultur im Becher
Aquarienpflanzen aus InVitro-Kultur sind frei von Schnecken & Algen.

Aquarienpflanzen aus meinem Shop werden ebenfalls regelmäßig kontrolliert und sind 100 % schneckenfrei, algenfrei sowie frei von Pestiziden.

Sprudelwasser gegen Schnecken und Schädlinge

Robustere Pflanzen (also keine sehr feinen oder empfindlichen Arten) können für einige Minuten (ca. 15 Minuten) in Sprudelwasser eingelegt werden. Das Kohlendioxid tötet viele Schnecken, Eier und andere unerwünschte Mitbewohner ab, ohne die Pflanzen dauerhaft zu schädigen. Anschließend die Pflanzen gründlich mit Leitungswasser abspülen. Ggf. sollte der Vorgang nochmal wiederholt werden.

Fazit: Ursache bekämpfen statt Schnecken verteufeln

Schnecken sind kein Zeichen für ein schlechtes Aquarium, sie zeigen lediglich, dass zu viel Nahrung vorhanden ist. Wer die Ursachen erkennt und gezielt gegensteuert, bekommt eine Schneckenplage gut in den Griff. In einem ausgewogenes Aquarium mit moderater Fütterung, regelmäßiger Pflege und kontrolliertem Besatz hat man meist keine Probleme mit einer Schneckenplage. Und ein paar vereinzelte Schnecken im Aquarium sind als kleine „Gesundheitspolizei“ sogar sehr nützlich. 😁

💬 Austausch & Fragen:

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Zu viele Schnecken im Aquarium? Häufige Fragen & Antworten

Meist liegt die Ursache in zu reichlicher Fütterung oder organischen Abfällen im Becken. Schnecken vermehren sich stark, wenn dauerhaft viel Nahrung verfügbar ist.

In den meisten Fällen werden Schnecken oder Schneckeneier unbeabsichtigt mit neuen Aquarienpflanzen oder Dekoration eingeschleppt.

Ja, in kleiner Anzahl sind Schnecken sehr nützlich. Sie fressen Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile und tragen zur Beckenhygiene bei.

Reduziere zuerst die Fütterung und verbessere die Pflege. Zusätzlich kannst du Schnecken manuell entfernen oder Schneckenfallen einsetzen.

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